Warum ist die Inflation in der Schweiz so viel niedriger als in Österreich?

Die Inflation im Februar liegt in der Schweiz bei rd 3,4%. Im Gegensatz liegt die Inflation in Österreich nach einer Erstschätzung bei 11%.

Heinz Hofstaetter
6. März 2023

Warum ist die Inflation in der Schweiz so viel niedriger als in Österreich? Und was heißt das für den Kurs EUR / CHF?

Die Inflation in der Schweiz liegt im Februar 2023 auf Jahresbasis bei rd. 3,4%. Im Gegensatz dazu bewegt sich die Inflation in Österreich nach einer Erstschätzung bei 11% pa.

Die Schweiz ist schon immer anders gewesen als Österreich. Einerseits ist in der Schweiz das allgemeine Preisgefüge historisch doch deutlich höher als in Österreich und andererseits ist auch die Schweizer Wirtschaft deutlich stärker. Insbesondere die Großbanken und die Großkonzerne (z.B. in der Nahrungsmittel- oder Chemie- / Pharmaindustrie) tragen zu dieser Stärke bei. Zusätzlich ist die Schweiz auch deutlich unabhängiger und zentraler organisiert als die Europäische Union und damit auch flexibler.

Schweizer Franken als Aufwertungswährung!

All dies trägt zu einem sehr starken Schweizer Franken bei. Traditionell ist die Schweizer Währung also eine klassische Aufwertungswährung, die seit Ende der 70-Jahre von [EUR] / CHF 3 auf zwischenzeitig unter 1 aufgewertet hat. Seit Anfang 2008 hat der Schweizer Franken bis heute rd. 70% aufgewertet. Das entspricht einer jährlichen Aufwertung je nach Stichtag von rd. 3 bis 4% pa. Das hat natürlich negative Auswirkungen auf die Exporte der Schweiz. Mit dieser "Tradition" kann die Schweiz erfahrungsgemäß jedoch aus den bekannten Gründen gut umgehen. Aktuell haben sogar die Vorteile aus den Importen deutlich überwogen. Denken Sie nur an die relativ günstigen Energieeinkäufe der Schweiz im Ausland, die sich auch direkt in der niedrigeren Inflationsrate widerspiegeln.

Wie wird es weiter gehen, auch mit möglichen Zinsvorteilen?

Viele fragen sich nun, wie wird das weitergehen? Der Aufwertungstrend der Schweizer Währung wird natürlich bestehen bleiben. Allerdings hat es in den letzten Monaten kurzfristig einen gegenteiligen Effekt bzw. einen stärkeren EURO gegeben. Solche "Fenster" kann es natürlich auch in der Zukunft wieder geben. Zusätzlich existiert derzeit wiederum ein deutlicher Zinsvorteil zwischen dem Schweizer Franken und dem EURO. Aktuell liegt dieser sogar fast bei 3 %. Dieser Zinsvorteil macht zur Zeit mögliche Aufwertungsverluste wett. Beachten Sie jedoch, dass sich die Situation wieder rasch ändern kann und dann sitzen Sie als Kreditnehmer im Schweizer Franken eventuell auf weiteren Kursverlusten. Zum Jahr 2023 kann man sagen, dass das Jahr 2023 für Kreditnehmer im Schweizer Franken zumindest gut begonnen hat. Ob es zur Gänze ein positives Jahr sein wird, bleibt abzuwarten.

Auf eine mittelfristige Sichtweite und nach den bekannten Gesetzen ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Aufwertung des Schweizer Franken deutlich größer als eine Abwertung. Oder anders ausgedrückt, ein EUR / CHF Kurs von 0,95 auf die nächsten Monate bis Jahre ist wahrscheinlicher als einer von 1,05. Das kann auch aus einem stark unterschiedlichen Niveau der Realverzinsung (Nominalzinsen abzüglich Inflation) in den beiden Währungen abgeleitet werden.

Wo liegt der Grund für den Zinsunterschied?

Hier schließt sich der Kreis wieder zu meinen Ausführungen zu Beginn des Artikels. Die deutlich niedrigere Inflationsrate in der Schweiz hat zu wesentlich moderateren Zinsanstiegen im Schweizer Franken geführt als im EURO. Aber lassen Sie sich davon nicht (zu lange) täuschen, denn der Schweizer Franken wird eine Hartwährung bleiben - und auch in der Schweiz kann es noch den einen oder anderen Zinsschritt geben.

Welche Handlungsoptionen gibt es nun für Kreditnehmer im Schweizer Franken?

  1. Konvertieren, wie schon sehr viele Kreditnehmer vor Ihnen, und im EURO weiterfinanzieren (natürlich zahlen Sie dafür aktuell höhere Zinsen, aber Sie schalten das Währungsrisiko zu Gänze aus; bei 10 Jahren Restlaufzeit basierend auf der Historie könnten Sie eventuell ca. 15% bis 30% an Kursverlust sparen - ob das der Zinsvorteil aufwiegt?

    • in einem Zeitfenster oder verteilt über einen definierten Zeitraum

    • Teilkonvertieren und im EURO weiterfinanzieren (ein Teil des Währungsrisikos bleibt)

    • Achtung: Jede Konvertierung und verbunden damit eine eventuelle Umschuldung sollte gut vorbereitet und begleitet werden.


  2. Verbleib im Schweizer Franken und deutliche Erhöhung des Tilgungsanteils, Ausnutzung des aktuellen Zinsvorteils und laufende Beobachtung.

    • Ist das eine Lösung? Möglicherweise ja, aber Achtung - Im Falle eines unvorhersehbaren Ereignisses ("Schwarzer Schwan") wird man jedoch immer den falschen Zeitpunkt für Handlungsaktivitäten haben (siehe z.B. Finanzkrise 2008/2009 oder Stopp der Stützungskäufe durch die Schweizer Nationalbank (SNB) Anfang 2015 und ein Kursverhältnis EUR vs. CHF von kleiner 1)

    • es kommt auch auf die Restlaufzeit an, je kürzer desto eher...

    • Beobachtung ist zwingend, führt aber nicht immer zum Ziel...


  3. Die schlechteste aller Varianten ist, NICHTS zu tun...

    • ...insbesondere dann, wenn man zusätzlich auch noch über eine endfällige Finanzierungsstruktur (und sogar mit Tilgungsträger) verfügt.


Selbstverständlich ist jede Finanzierungsstruktur individuell zu analysieren und einzuschätzen.

Aber, ein wesentlicher Indikator für die weitere Einschätzung ist die Inflation. Also, was denken Sie für den EURO Raum:

  1. Verbleibt die Inflation im EURO Raum in den nächsten 3 bis 5 Jahren über zumindest 5%?

  2. Erreichen wir in den nächsten 2 Jahren wieder ein gewohntes Inflationsniveau von ca. 2%?

Sehr gerne unterstützen wir auch bei diesen Fragen.

Lesen Sie auch unsere Ausführungen zum neuen Zinsindikator, dem Saron.

Der vorliegende Artikel spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors, Heinz Hofstaetter, wider.


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Über Heinz Hofstaetter

Heinz Hofstaetter ist seit 2016 Geschäftsführer der FRC-Finance & Risk Consult GmbH. Als Betriebswirt mit Abschluss an der Wirtschaftsuniversität Wien und als Bankkaufmann begann er seine berufliche Laufbahn bei KPMG in Frankfurt am Main in den Bereichen Industrie, Anlagenbau, Lebensmittel, Banken und Corporate Finance.

Es folgte der Einstieg in das Bank- und Kapitalmarktgeschäft bei der Bank Austria Investmentbank in Wien. Als langjähriger Prokurist und Vorstand der HYPO NOE im Bereich Finanzierung (Public Finance, Real Estate, Project Finance) mit einer Bilanzsumme von ca. 15 Mrd. und als Geschäftsführer von zwei Investmenthäusern in Österreich beschäftigte er sich intensiv mit den Themen Finanzierung und Kapitalmarktanlagen. Er war unter anderem verantwortlich für ein diversifiziertes Portfolio von Assets under Advisory von 6,5 Mrd. EUR in allen Vermögensklassen.

Darüber hinaus hat Herr Hofstaetter bis 2008 eine nachhaltige Verbriefungsplattform für langfristige Vermögenswerte aufgebaut. Das Setup einer Bewertungsplattform von 2009 bis 2015 für komplexe Finanzinstrumente in Frankfurt am Main rundet seine universelle Ausrichtung ab.