Erste Zinserhöhung der EZB seit 2011...

Nach vielen Jahren einer ultralockeren Geldpolitik erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen. Dies ist die erste Erhöhung im Euroraum seit 2011. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner Sitzung in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte.

Heinz Hofstaetter
21. Juli 2022

Erste Zinserhöhung der EZB seit 2011...

Nach vielen Jahren einer ultralockeren Geldpolitik erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen um 50 Basispunkte. Dies ist die erste Erhöhung im Euroraum seit 2011. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner Sitzung in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte. Zeitgleich wurde ein Instrument zur Absicherung der Transmission ("Krisenprogramm") genehmigt, das "ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken" entgegenwirken soll.

Öl- bzw. Energiepreise sowie Inflation weiterhin auf hohem Niveau - langfristige Zinsen relativ hoch aber etwas zurückgefallen - Straffung der Geldpolitik durch die EZB eingeläutet

In diesem Szenario erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) stärker als erwartet den Leitzins um 50 Basispunkte. Damit sollte das Thema der Verwahrentgelte oder "Negativzinsen" bei Spareinlagen zumindest vorerst vorüber sein (was bei der aktuellen Inflation aber nur ein schwacher Trost sein wird). Auf der anderen Seite verteuern sich variabel verzinste Finanzierungen spürbar (Altverträge ohne Zinsuntergrenze, wo der negative Indikator weitergegeben wurde, sogar deutlich in Richtung 1,5% und mehr). Zu den Leitzinssätzen siehe auch unten "Definitionen".

Wir sind gespannt, wo die (Zins)Reise hingeht. Hatten vor kurzem die Experten noch von jahrzehntelangen Niedrigzinsen am kurzen Ende ("Leitzinsen/EURIBOR") gesprochen, stellt sich die aktuelle Situation plötzlich ganz anders dar. Oder ist es nur ein Strohfeuer?! Am 8.9.2022 um 14.15 gibt es die nächsten Zinssatzentscheidungen.

Als Folge von Inflation, Krieg und Zinsängste sind seit Ende 2021 die langfristigen Zinssätze (SWAP-Zinssätze) schon um rd. 1,5% bis 2,0% gestiegen. Wird das so weitergehen oder sehen wir hier auch nochmals einen Rückgang? Ist die Wirtschaft stabil genug? Verflacht sich die Zinskurve über beide Enden? Oder erfordert die Bekämpfung der Inflation die volle Härte der Zentralbanken?

Für unsere Kunden hat das eine nachhaltige Auswirkung. Schlussendlich stellt sich für die Kommunen die Frage, soll ich meine kommunalen Finanzierungen mit einem variablen oder einem fixen Zinssatz versehen bzw. zu welchem Niveau möchte ich den langfristigen Zinssatz fixieren. Macht auch hier die Portfoliotheorie Sinn?

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild, aber worüber? Lesen Sie zuerst die Definitionen unten.

Leitzinssätze: Die verschiedenen Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank gestalten sich wie folgt:

  1. Leitzins für das Hauptrefinanzierungsgeschäft aktuell 0,50%, (davor 0,00%) 1)

  2. Leitzins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität - aktuell 0,75%, (davor 0,25%) 2)

  3. Leitzins für die Einlagefazilität - aktuell 0,00%, (davor -0,50%) 3)

Lesen Sie hier die Pressemitteilung der EZB.

EURIBOR - Europäischer Interbankensatz z.B. bis zu 1, 3, 6 oder bis zu 12 Monate. Beim EURIBOR handelt es sich um den Zinssatz für große kurzfristige Kredite in Euro zwischen großen Banken. 3-M-Euribor aktuell rd. 0,125% und der 6-M-Euribor aktuell rd. 0,64%

Die Swap-Zinssätze, die sich über die SWAP Kurve mit unterschiedlichen Laufzeiten (in der Regel 1 Jahr bis 30 Jahre) ableiten, kommen aus einem Mittelwert zwischen dem Bid- und dem Ask-Satz zu Stande und zeigen z.B. wie hoch der fixe Zinssatz ist, welchen eine Bank zu bezahlen bereit ist, wenn sie im Gegenzug den variablen Zinssatz erhält. 13 Jahres SWAP Satz aktuell bei 2,185%.

Fußnoten und Quellen

1) Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft: Das ist der "wichtigste" Leitzins und wird häufig als "der" Leitzins bezeichnet. Zu diesem Zinssatz wird den Geschäftsbanken Zentralbankgeld gegen notenbankfähige Sicherheiten ab einer Woche Laufzeit (Wochentender) zur Verfügung gestellt.

2) Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: Zu diesem Zinssatz können sich Banken kurzfristig (über Nacht) gegen notenbankfähige Sicherheiten Geld von der Europäischen Zentralbank beschaffen.

3) Zinssatz für die Einlagefazilität: Zu diesem Zinssatz können Banken überschüssiges Zentralbankguthaben bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem anlegen.

Quelle: FinanceWiki! der Universität Zürich, Bundesministerium der Finanzen der Republik Deutschland, www.euribor-rates.eu, www.theice.com, FRC - Finance & Risk Consult GmbH

Der vorliegende Artikel spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors, Heinz Hofstaetter, wider.

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Über Heinz Hofstaetter

Heinz Hofstaetter ist seit 2016 Geschäftsführer der FRC-Finance & Risk Consult GmbH. Als Betriebswirt mit Abschluss an der Wirtschaftsuniversität Wien und als Bankkaufmann begann er seine berufliche Laufbahn bei KPMG in Frankfurt am Main in den Bereichen Industrie, Anlagenbau, Lebensmittel, Banken und Corporate Finance.

Es folgte der Einstieg in das Bank- und Kapitalmarktgeschäft bei der Bank Austria Investmentbank in Wien. Als langjähriger Prokurist und Vorstand der HYPO NOE im Bereich Finanzierung (Public Finance, Real Estate, Project Finance) mit einer Bilanzsumme von ca. 15 Mrd. und als Geschäftsführer von zwei Investmenthäusern in Österreich beschäftigte er sich intensiv mit den Themen Finanzierung und Kapitalmarktanlagen. Er war unter anderem verantwortlich für ein diversifiziertes Portfolio von Assets under Advisory von 6,5 Mrd. EUR in allen Vermögensklassen.

Darüber hinaus hat Herr Hofstaetter bis 2008 eine nachhaltige Verbriefungsplattform für langfristige Vermögenswerte aufgebaut. Das Setup einer Bewertungsplattform von 2009 bis 2015 für komplexe Finanzinstrumente in Frankfurt am Main rundet seine universelle Ausrichtung ab.